Gedenkveranstaltung 16. Mai in Kiel

Porajmos - Erinnerung an die Deportationen deutscher Sinti und Roma

 

Vor 82 Jahren, am 16. Mai 1940, fielen über 2.500 deutsche Sinti & Roma den sogenannten Mai-Deportationen der Nationalsozialisten zum Opfer und wurden zwangsweise in das besetzte Polen verschleppt. Dieses erschütternde Ereignis war der Beginn eines Völkermords, dem wir auch heute noch gedenken. Aus diesem Grund wurde auch dieses Jahr am 16. Mai der Gedenktag dieser schrecklichen Verfolgungsgeschichte begangen.

 

Wir, eine kleine Gruppe von Schülern des 10. und 11. Jahrgangs, machten uns an diesem Tag in Begleitung von Herrn Hobe und Frau Kallmeyer auf den Weg zu einer Exkursion nach Kiel. Abgemachter Treffpunkt: Husumer Bahnhof, 8 Uhr. Während die Sonne sich langsam zeigte und die Straßen Husums sich füllten, sammelte sich unsere Truppe von 13 Personen, inklusive Lehrkräften, und fand sich im Foyer des Bahnhofs zusammen. Pünktlich um 8:35Uhr startete unsere Zugfahrt nach Kiel. Bereits im Zug waren wir sehr gespannt und fingen an, uns gegenseitig unsere Erwartungen mitzuteilen.

 

In Kiel angekommen, gingen wir durch die Stadt in Richtung Hiroshimapark. Nach einer kurzen Pause in der Innenstadt spazierten wir motiviert und gestärkt in Richtung des Gedenksteins, der sich im Hiroshimapark, nahe des Gewerkschaftshauses, am kleinen Kiel befindet. Kaum näherten wir uns dem Stein, wurden wir sehr freundlich und herzlich aufgenommen. Innerhalb der ersten paar Minuten überkam uns ein familiäres und wohliges Gefühl, wir waren nicht fremd. Um 11 Uhr begann die Gedenkveranstaltung. Zwei Männer setzten sich neben dem Gedenkstein nieder und empfingen uns mit traditioneller Gitarrenmusik - dem Gypsi-Jazz. Matthäus Weiß, der Leiter des Landesverbands Deutscher Sinti & Roma e.V., begrüßte alle Teilnehmenden herzlich. Er erzählte kurz von den Deportationen in die Sammellager. Auf ihn folgten der Minderheitenbeauftragte der Landes Schleswig Holstein Johannes Callsen und der SSW-Vorsitzende Lars Harms, die die Bedeutung des Gedenkens an die schrecklichen Ereignisse und die heutige Verantwortung der Gesellschaft hervorhoben, die es notwendig machen, die Minderheiten zu schützen und unterstützen. Besonders unserer - jungen- Generation wurde Dank ausgesprochen, da wir eine moralische Verpflichtung besitzen, die Vergangenheit aufzuarbeiten, uns über die Geschichte und Kulturen zu informieren und unser Wissen weiterzugeben. Ein Gebet wurde gesprochen und eine Schweigeminute eingelegt. Im Anschluss daran wurden alle Anwesenden zu einem Stehempfang im Emma-Sorgenfrei-Foyer des Gewerkschaftshauses eingeladen.

Wir erlebten ein respektvolles und empathisches Gedenken, begleitet von Trauer und Ärgernis, aber auch von Stolz und Dank. Schließlich machten wir noch ein Gruppenfoto mit Matthäus und dessen Frau, Anna Weiß. Alle von uns fühlten Akzeptanz und Zugehörigkeit in dieser Gemeinschaft. Wir waren eine kleine Runde, jedoch mit großem Sinn. Nach dieser prägenden Gedenkfeier suchten wir uns ein sonniges Plätzchen im Hiroshimapark, sammelten unsere Gedanken und sprachen über das Erlebte, bevor wir uns wieder in Richtung Bahnhof begaben. Um 14:30 Uhr endete dieser lehrreiche Ausflug und wir befanden uns wieder in Husum.

Unser Fazit: Erinnerung braucht Begegnung. Konfrontation lehrt uns, uns mit Ereignissen und Themen zu beschäftigen und diese weiterzutragen. Darum, wie Matthäus es bereits sagte, sollten besonders wir diese Informationen über Generationen hinweg weitergeben und uns weiterhin mit ihnen auseinandersetzen, um nicht zu vergessen was war und zu sehen, was kommt.